Samstag, 10. November 2012

Urlaub für die Beine

Nach dem Halbmarathon Anfang Oktober war ein wenig Entspannung und Regeneration angesagt. Also bin ich ein paar Tage lang nicht gelaufen und habe stattdessen die Beine hochgelegt oder im Schwimmbad die Vorzüge des Solebads ausgekostet. Dieses "Nichtstun" ist, wenn man zuvor fast jeden Tage unterwegs war, auch ziemlich anstrengend und irgendwie trieb es mich dann doch schneller nach draußen als ich es eigentlich geplant hatte.
Dafür ganz langsam, ganz kurz und auch nur jeden zweiten Tag. Bis heute ist das auch so geblieben, nur die Distanz der Strecken hat sich etwas nach oben verschoben. Dabei trägt auch das gute Wetter und die traumhafte Landschaft dazu bei, dass ich mehr im Wald als im Juristischen Seminar bin, wo ich mich eigentlich auf's Examen vorbereiten sollte. Drei Läufe bleiben mir von den letzten Woche wohl noch ein bisschen länger im Gedächtnis.

Am 21.10. ging es mit Harri bei sommerlichen 21°C(!!!) über den Bismarckturm und das Kerstlingeröder Feld zur Mackenröder Spitze. Die ca. 150hm aus der Stadt zum Turm über kleine Waldwege knallen zu Beginn ganz schön, wir sind dankbar über die nächsten leichten flacheren Kilometer. Hier oben ist es sehr voll, der Biergarten am Kehr ist gut besucht und auch auf dem Feld tummeln sich Menschenmassen, andere Läufer sind nicht zu sehen. Auf der Strecke der Brocken-Challenge dann in Richtung Waldrand und dem Mackenröder-Trail auf der Abbruchkante des Göttinger Waldes zum Aussichtsturm Harzblick folgend. Hier machen wir eine kurze Pause und steigen den Turm hinauf. Über das Eichsfeld fliegt der Blick zum Harz und in weiter Ferne ist das zarte Weiß der Sendeanlage auf dem Brocken zu erkennen. Leider hat weder Harri noch ich eine Kamera dabei, sodass ein Foto an dieser Stelle fehlt. Auf breiten Wege geht es weiter wieder zurück Richtung Kehr. Der Wald zeigt sich heute im Sonnenlicht nochmals von seiner schönsten Seite. Wir laufen durch ein Meer von Farben, das von frühsommerlichem Grün bis zu spätherbstlichem Rot reicht und erreichen nach etwas mehr als 23 km wieder die Göttinger Innenstadt.

Eine Woche später dann der Temperatursturz. Von Spätsommer ist nichts mehr zu spüren als ich mich bei -3°C zusammen mit Jan auf die ausgeschilderten Halbmarathonstrecke in der Eilenriede begebe. Ich bin zum ersten Mal hier und bin überwältigt von dem teilweise dichten Baumbestand inmitten einer Großstadt. Die Strecke zieht sich durch den ganzen Stadtwald und ist mit gut sichtbaren Hinweispfeilen versehen. Das letzte Mal sind Jan und ich irgendwann im Jahr 2004 zusammen gelaufen und heute ist es so, als würden wir jeden Tag Meter um Meter zurücklegen. Die 24 km vergehen wie im Flug, wir könnten heute drei Runden laufen und hätten uns trotzdem noch jede Menge zu erzählen, doch bei Jan wartet ein großes Frühstück. So können wir auch noch sehen, wie sich Patrick Makau auf den letzten Kilometern des Frankfurt Marathons quält und einen grandiosen Zieleinlauf hinlegt.

Tags darauf stand ein Vollmondlauf an, der leider aufgrund des stark bewölkten Himmels zu einem normalen Stirnlampenlauf, also ohne Vollmond, wurde. Zu fünft ging es vom Reinshof durch das Gartetal nach Diemarden und über viele kleine Wege zum Wendebachstausee. Zwischendurch hat man auf vielen Erhebungen einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft. Es ist schon sehr faszinierend, wie viel Helligkeit eine nahegelegene Stadt abwirft, während die umliegenden Ort nur als kleine Lichtpunkte zwischen den vielen Wäldern zu erkennen sind. Vom Wendebachstausee ist es dann auch nur noch ein Katzensprung zurück zum Reinshof. 45 km an zwei Tage schlauchen dann doch sehr und spätestens heute war es auch kein Urlaub mehr für die Beine.




Donnerstag, 4. Oktober 2012

Vom Winde verweht (Leinetallauf Alfeld)


In Alfeld (Leine) habe ich beim Leinetallauf am Tag der deutschen Einheit meinen zweiten Halbmarathon in diesem Jahr absolviert. Dabei wollte ich meine im Mai aufgestellte Bestzeit deutlich verbessern und liebäugelte mit einer Zeit unter 1:25h. Im Vorfeld war ich mir ein wenig unsicher, ob der von mir modifizierte H. Steffny Trainingsplan meinem Vorhaben genügte, doch schon auf der Strecke war ich mir sicher, beide Ziele zu erreichen. Nach 21,095 km stand eine 1:24:45 h auf der Uhr und mir ein breites Grinsen im Gesicht.
Der Halbmarathon wird in Alfeld auf einer Wendepunktstrecke zurückgelegt, die über etwas mehr als fünf Kilometer durch das Leinetal geht. Die Abschnitte müssen also viermal absolviert werden, was sich relativ langweilig anhört, ich aber während des Laufs als nicht so schlimm empfand. Das Profil ist flach, drei leichte Wellen müssen überwunden werden, doch am meisten Kraft kann der Wind kosten. Wenn er denn bläst, was heute der Fall war und dann auch noch aus Süden, also als Gegen- bzw. Rückenwind. Deshalb wollte ich versuchen, in einer kleinen Gruppe zu laufen, um ein wenig im Windschatten laufen zu können bzw. selbigen auch mal anderen Läufern zu geben. Doch irgendwie fand sich nie so wirklich eine Gruppe zusammen. So konnte ich dann aber alleine auch ganz gut mein eigenes, gleichmäßiges Tempo halten und am Ende sogar noch ein klein wenig beschleunigen. Während des Laufs ging es mir sehr gut, lediglich kurz nach Kilometer 15 hatte ich mit leichtem Seitenstechen zu kämpfen. Zum Glück kam kurz danach eine Verpflegungsstelle und nach einem Becher Wasser war das Stechen dann auch wieder verschwunden. Getragen vom Rückenwind machte ich mich dann auf den Weg Richtung Ziel. Am Ende, mit immer noch erstaunlich frischen Beinen, wurde ich mit dem vierten Gesamt- und dem zweiten Platz in meiner AK belohnt. 
Die Laufveranstaltung hat mir wieder richtig viel Spaß gemacht. Auch wenn die Stimmung natürlich nicht mit einem großen Stadtlauf vergleichbar ist, so ist es doch unglaublich motivierend und toll, wenn die vielen Streckenposten und Betreuer der Verpflegungsstationen neben der ehrenamtlichen Arbeit, die sie an so einem Tag leisten, auch noch aufmunternde Worte übrig haben. Vielen Dank also an alle, die dort mitgeholfen und -organisiert haben und vielleicht bis zum nächsten Mal.
Kurz nach KM 11 (http://tinyurl.com/8uyfe9o)
Podium AK Männer


runalyze.de21,10 km Wettkampf am 03.10.2012
1:24:454:01/km174bpm
http://user.runalyze.de/shared/dlt